Brüssel, 02.07.2026
Fünf Jahre nach der Ahr-Flut: Das EU-Forschungsprojekt TEMA stärkt das Notfallmanagement im Katastrophenfall
Das Wasser stieg rasend schnell in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 an der Ahr. Um 14.30 Uhr lag der Pegel des Flusses im rheinland-pfälzischen Altenahr bei 1,32 Meter, fünf Stunden später schon bei 3,92 Meter und nachts um 23 Uhr bei fast 7 Metern. Bis zu 200 Liter Wasser pro Quadratmeter gingen bei dem Starkregen vor fünf Jahren an der Ahr nieder. Mit verheerenden Folgen: Mehr als 130 Menschen starben in den Fluten, das Hochwasser riss Brücken und Bahngleise mit, Zehntausende verloren ihr Zuhause.
In Margareta Mihalic Dogan kennt das Ausmaß der Katastrophe. Die Projektmanagerin fing unmittelbar nach der Ahr-Flut beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) in München im Bereich der Sicherheitsforschung an. Der Auftrag: sich für künftige Katastrophenfälle zu wappnen auch mit digitalen Mitteln. Gemeinsam mit ihrem Team testet sie eine neuentwickelte Lagesoftware, die Einsatzkräften im Fall von Naturkatastrophen Echtzeitdaten aus einem Notfallgebiet liefert. Mihalic Dogan sagt über die neue Software: „Theoretisch kann das Programm auf jedem Computer der Welt laufen.“
Tests an der Ahr
Unterstützt wird das Vorhaben durch das EU-Projekt TEMA: Trusted Extremely Precise Mapping und Prediction for Emergency Managament frei übersetzt: Zuverlässige, extrem präzise Kartierung und Vorhersage für das Notfallmanagement. Zwanzig Partner aus acht EU-Mitgliedstaaten sind an dem Vorhaben beteiligt, neben Deutschland auch Griechenland, Spanien, Italien, Österreich, Belgien, die Niederlande und Finnland. Dabei geht es um ein besseres Management im Fall von Katastrophen wie Waldbrände, Starkregen und Hochwasser. Das Ziel: mit digitalen und KI-basierten Echtzeitdaten das Vorgehen der Einsatzkräfte verbessern. So lassen sich etwa Posts in sozialen Medien für bessere Aussagen über das Ausmaß einer Katastrophe auswerten. Die EU-Kommission unterstützt das Vorhaben mit 11,3 Millionen Euro aus dem Forschungsprogramm Horizont Europa.
Die Koordination beim EU-Programm TEMA liegt bei der Aristoteles-Universität im griechischen Thessaloniki. BRK-Landesgeschäftsführer Robert Augustin erklärt zur Bedeutung des Projekts: „Das Bayerische Rote Kreuz wappnet sich gemeinsam mit allen Projektpartnern von TEMA für kommende Katastrophen, die es in der Zukunft zu bewältigen gilt. Gut, wenn wir dann noch besser als bisher vorbereitet sind dafür forschen wir stetig weiter.“
Die Stabsstelle Forschung der Landesgeschäftsstelle des Bayerischen Roten Kreuzes übernimmt die Federführung für der Umsetzung im praktischen Katastrophenschutz, etwa mit zwei Pilotversuchen im Ahrtal. Ein erster Test der neuen Lagesoftware ist bereits absolviert, der zweite folgt im September 2026. „Wir haben mit realen Daten der Flut von vor fünf Jahren gearbeitet. Und auch mit Rettungskräften aus der Region, die damals im Einsatz waren“, sagt Projektmanagerin Mihalic Dogan über den ersten Pilotversuch.
Profitieren vom europäischen Austausch
Die Ergebnisse des Tests an der Ahr helfen, die neue Einsatzsoftware weiter zu optimieren. Die Vorteile für die Krisenstäbe zeigen sich aber bereits deutlich. So führt das neue Programm verschiedene Daten zusammen: von Satellitenbildern, über Wetterdaten und Pegelstände bis hin zu möglichen unpassierbaren Straßen und blockierten Bahnlinien. Die verschiedenen Informationen werden zu 3D-Modellen aufbereitet. Das ermöglicht den Einsatzkräften vor Ort ein besseres Vorgehen. „Oft ist auf Einsatzdaten unklar, handelt es sich um Schlamm oder um Hochwasser. Mit dem neuen System können Bergungskräfte die reale Lage auf einen Blick erkennen und Einsätze besser koordinieren“, erläutert Mihalic Dogan.
Schnellere und präzisere Entscheidungen im Katastrophenfall
An der Ahr gibt man sich nach dem ersten Pilotversuch zuversichtlich. Cornelia Weigand, Landrätin des Kreises Ahrweiler, sagt: „Besonders hier im Ahrtal, wo wir die Folgen der Flutkatastrophe noch immer spüren, ist die Bedeutung solcher Technologien von größter Relevanz. Durch die Entwicklung von Werkzeugen, die es uns ermöglichen, eine Lage besser einschätzen zu können und damit präzisere und schnellere Entscheidungen zu treffen, können wir als Region unsere Resilienz gegenüber zukünftigen Katastrophen stärken. Deswegen ist es uns ein Anliegen, Projekte wie TEMA zu unterstützen, die es uns im Ernstfall ermöglichen, noch besser auf Krisen zu reagieren.“
Auch Margareta Mihalic Dogan ist mit den ersten Testergebnissen zufrieden. „Das neue System hat seine Stärken deutlich gezeigt“, so die TEMA-Projektleiterin für das Bayerischen Roten Kreuz. Mihalic Dogan hat in Kroatien Soziologie studiert. Vor fünf Jahren startete sie in München beim Bayerischen Roten Kreuz. Ihre Bilanz zu TEMA: „Der Austausch mit den europäischen Projektpartnern ist extrem wertvoll.“ Voneinander lernen im Krisenfall. So rückt Europa auch beim Katastrophenschutz zusammen.
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(Quelle: Europäisches Parlament)