Brüssel, 11.05.2026
Geschäftsbericht 2025 der Europäischen Verteidigungsagentur: Europa setzt auf stärkere Zusammenarbeit in der Verteidigung
2025 war ein herausforderndes Jahr. Die EDA unterstützte die Mitgliedstaaten in allen Bereichen der Verteidigung, unter anderem bei der ersten EU-weiten OPEX-Kampagne. Es wurden fast 90 Projekte im Wert von fast 600 Millionen Euro durchgeführt, zusätzlich zur Unterstützung von 10 PESCO-Projekten und 42 Projekten des Europäischen Verteidigungsfonds im Wert von über 300 Millionen Euro. Mit erweiterten Instrumenten wie ihrer Plattform für die Vermittlung von Partnerschaften zwischen Regierungen trieb die EDA die Zusammenarbeit weiter voran.
Die Europäische Verteidigungsagentur (EDA) hat ihren Geschäftsbericht 2025 veröffentlicht und zieht darin eine Bilanz eines sicherheitspolitisch herausfordernden Jahres. Der Bericht verdeutlicht, dass die Europäische Union ihre Verteidigungszusammenarbeit weiter intensiviert und verstärkt auf gemeinsame Fähigkeiten, Innovationen und koordinierte Beschaffung setzt. Hintergrund sind die anhaltenden geopolitischen Spannungen, der Krieg in der Ukraine sowie die wachsenden Anforderungen an Europas sicherheitspolitische Eigenständigkeit.
Die 2004 gegründete European Defence Agency unterstützt die 27 EU-Mitgliedstaaten bei der Entwicklung gemeinsamer militärischer Fähigkeiten und gilt heute als zentrale Plattform europäischer Verteidigungskooperation.
Schwerpunkt auf gemeinsame Verteidigungsfähigkeiten
Ein zentrales Thema des Geschäftsberichts ist der Ausbau gemeinsamer militärischer Fähigkeiten innerhalb der Europäischen Union. Die EDA unterstützte im Jahr 2025 insgesamt 87 sogenannte Ad-hoc-Projekte in den Bereichen Fähigkeitenentwicklung sowie Forschung und Technologie mit einem Gesamtvolumen von rund 558 Millionen Euro. Darüber hinaus koordinierte die Agentur zehn Projekte im Rahmen der Permanent Structured Cooperation (PESCO) sowie 42 Initiativen des Europäischen Verteidigungsfonds (EDF) mit einem Gesamtwert von über 300 Millionen Euro.
Besondere Bedeutung kommt dabei der gemeinsamen Beschaffung militärischer Ausrüstung zu. Der Bericht hebt hervor, dass die Mitgliedstaaten ihre Nachfrage zunehmend bündeln, um Kosten zu senken, die Interoperabilität zu verbessern und die europäische Rüstungsindustrie zu stärken. Ein Beispiel dafür ist die Vorbereitung gemeinsamer Beschaffungsvorhaben im Bereich sogenannter „Loitering Munitions“, also moderner Präzisions- und Drohnenwaffen.
Innovation und neue Technologien im Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts liegt auf technologischer Innovation. Die EDA führte 2025 erstmals eine EU-weite operative Experimentierkampagne für autonome Systeme in Italien durch. Organisiert wurde diese im Rahmen des „Hub for EU Defence Innovation“ (HEDI), der als Innovationsplattform für neue militärische Technologien dient.
Dabei standen insbesondere unbemannte Systeme, Drohnentechnologien, künstliche Intelligenz und digitale Vernetzung im Mittelpunkt. Die Agentur sieht in diesen Bereichen entscheidende Zukunftstechnologien für Europas Verteidigungsfähigkeit. Ergänzend veröffentlichte die EDA mehrere Fachstudien zu Themen wie künstlicher Intelligenz, Satellitenkommunikation und additiver Fertigung.
Verteidigungsausgaben auf Rekordniveau
Parallel zum Geschäftsbericht veröffentlichte die EDA aktuelle Verteidigungsdaten der EU-Mitgliedstaaten. Demnach erreichten die Verteidigungsausgaben der EU-Staaten bereits 2024 einen Rekordwert von 343 Milliarden Euro ein Anstieg von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erstmals überschritten die Investitionen in militärische Ausrüstung und Forschung die Marke von 100 Milliarden Euro.
Die Agentur betont jedoch, dass höhere Ausgaben allein nicht ausreichen. Entscheidend sei eine engere europäische Zusammenarbeit, um Doppelstrukturen zu vermeiden und die militärische Effizienz zu erhöhen. Der Bericht verweist darauf, dass Europa trotz steigender Investitionen weiterhin stark von den Vereinigten Staaten abhängig bleibt etwa bei Luftverteidigung, Satellitentechnik oder strategischer Aufklärung.
Europas strategische Eigenständigkeit
Der Geschäftsbericht 2025 macht deutlich, dass die Europäische Union zunehmend auf „strategische Autonomie“ setzt. Ziel ist es, Europas Verteidigungsfähigkeit unabhängiger von externen Partnern zu gestalten und gleichzeitig die Zusammenarbeit innerhalb der NATO zu stärken. Die EDA versteht sich dabei als Vermittler zwischen nationalen Verteidigungsinteressen und europäischen Gemeinschaftsprojekten.
Zahlreiche Initiativen konzentrieren sich deshalb auf gemeinsame Luftverteidigungssysteme, maritime Überwachung, Cyberabwehr sowie die Absicherung kritischer Infrastruktur. Auch die Zusammenarbeit mit der europäischen Raumfahrtindustrie gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Herausforderungen bleiben bestehen
Trotz der Fortschritte verweist der Bericht auch auf bestehende Probleme. Die europäische Verteidigungslandschaft bleibt stark fragmentiert. Unterschiedliche nationale Beschaffungssysteme, bürokratische Hürden und konkurrierende industrielle Interessen erschweren gemeinsame Projekte. Experten betonen deshalb, dass politische Koordination ebenso wichtig sei wie finanzielle Investitionen.
Darüber hinaus steht die EU vor der Herausforderung, ihre Verteidigungsindustrie technologisch konkurrenzfähig zu halten und gleichzeitig schnell auf neue Bedrohungen reagieren zu können. Besonders der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, wie wichtig flexible Produktionskapazitäten, Drohnentechnologien und moderne digitale Systeme geworden sind.
Der Geschäftsbericht 2025 der Europäischen Verteidigungsagentur zeichnet das Bild einer Europäischen Union, die ihre Sicherheits- und Verteidigungspolitik zunehmend gemeinschaftlich organisiert. Gemeinsame Beschaffung, technologische Innovation und koordinierte Fähigkeitenentwicklung stehen im Zentrum der europäischen Verteidigungsstrategie.
Die EDA entwickelt sich dabei immer stärker zu einem zentralen Motor der europäischen Verteidigungsintegration. Angesichts wachsender geopolitischer Unsicherheiten dürfte ihre Rolle in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen sowohl für die militärische Handlungsfähigkeit Europas als auch für die strategische Position der Europäischen Union innerhalb der internationalen Sicherheitsordnung.
Der Geschäftsbericht 2025 zum Download (engl.) >>>
(Quelle: EDA - Europäische Verteidigungsagentur)