München, 15.02.2026
Rückblick auf die Münchner Sicherheitskonferenz 2026
Die MSC Münchner Sicherheitskonferenz 2026 stand im Zeichen einer Welt im Umbruch. Selten zuvor war die Kluft zwischen geopolitischem Anspruch und realpolitischer Handlungsfähigkeit so deutlich spürbar wie in diesem Jahr in München. Vor dem Hintergrund anhaltender Konflikte, wachsender Systemrivalitäten und globaler Machtverschiebungen wurde klar: Die internationale Sicherheitsordnung befindet sich nicht nur in einer Krise sie wird grundlegend neu verhandelt.
Transatlantische Beziehungen: Stabil, aber unter Druck
Ein zentrales Thema war erneut das transatlantische Verhältnis. Vertreter aus den USA und Europa bekannten sich zwar zur engen Partnerschaft, doch hinter den diplomatischen Formeln traten Differenzen offen zutage. Fragen der Lastenteilung innerhalb der NATO, unterschiedliche industriepolitische Strategien sowie der Umgang mit autoritären Staaten sorgten für spürbare Spannungen.
Gleichzeitig wurde deutlich: Angesichts globaler Unsicherheiten bleibt die transatlantische Achse für beide Seiten unverzichtbar. Die Diskussionen in München machten klar, dass strategische Abstimmung künftig weniger selbstverständlich sein wird und daher umso bewusster gestaltet werden muss.
Der Krieg in der Ukraine und Europas Sicherheitsarchitektur
Der fortdauernde Krieg in der Ukraine blieb ein dominierendes Thema. Einigkeit herrschte darüber, dass die europäische Sicherheitsordnung langfristig nur mit klaren Sicherheitsgarantien und nachhaltiger Unterstützung für Kiew stabilisiert werden kann.
Zugleich wurde intensiv über die künftige Sicherheitsarchitektur Europas debattiert: Mehr Eigenverantwortung der EU-Staaten, eine vertiefte militärische Integration und eine stärkere Rüstungskooperation standen im Mittelpunkt. München 2026 könnte damit als ein Moment in Erinnerung bleiben, in dem Europa begann, sicherheitspolitisch erwachsener zu werden.
Systemrivalität und globale Machtverschiebungen
Die wachsende Rivalität zwischen den USA und China prägte zahlreiche Panels. Anders als in früheren Jahren dominierten jedoch nicht nur konfrontative Töne. Vielmehr wurde intensiv über „Guardrails“ diskutiert also Mechanismen, um Eskalationen zu verhindern und globale Herausforderungen wie Klimawandel, Pandemien oder KI-Regulierung kooperativ anzugehen.
Vertreter aus dem Globalen Süden mahnten zudem eine stärkere Einbindung in sicherheitspolitische Entscheidungsprozesse an. Staaten aus Afrika, Lateinamerika und Südostasien machten deutlich, dass sie nicht zwischen Machtblöcken zerrieben werden wollen, sondern eigene Interessen selbstbewusst vertreten.
Neue Bedrohungen: Cyber, KI und hybride Kriegsführung
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf technologischen Risiken. Künstliche Intelligenz, Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen und Desinformationskampagnen wurden als zentrale Sicherheitsherausforderungen der kommenden Jahre identifiziert.
Mehrfach wurde betont, dass Regulierung und Innovation kein Widerspruch sein dürfen. Vielmehr gehe es darum, internationale Normen zu entwickeln, bevor technologische Dynamiken politische Steuerungsfähigkeit überholen.
Diplomatie in schwierigen Zeiten
Trotz aller Krisen war die Konferenz auch ein Ort diskreter Gespräche. Gerade in Zeiten eingefrorener offizieller Kommunikationskanäle gewinnt die Münchner Sicherheitskonferenz als informelles Forum an Bedeutung. Hinter verschlossenen Türen wurden Gesprächsfäden aufgenommen, die andernorts abgerissen sind.
Gesamtfazit: Zwischen Alarm und Aufbruch
Die Münchner Sicherheitskonferenz 2026 hat keine spektakulären Durchbrüche gebracht. Doch sie hat die zentralen Linien der kommenden Jahre klarer konturiert:
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Die internationale Ordnung wird multipolarer und komplexer. |
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Europa steht vor der Entscheidung, sicherheitspolitisch mehr Verantwortung zu übernehmen. |
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Systemrivalitäten bleiben prägend, doch Eskalationsvermeidung wird zur strategischen Priorität. |
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Technologische Entwicklungen verändern die Sicherheitslogik grundlegend. |
München 2026 war damit weniger ein Ort fertiger Lösungen als ein Seismograph globaler Verschiebungen. Das Fazit fällt nüchtern aus: Die Welt ist unsicherer geworden aber der Wille zur Kooperation ist nicht verschwunden. Ob aus diesem Willen konkrete Politik entsteht, wird über die Stabilität der kommenden Jahre entscheiden. (nz)