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Berlin, 12.01.2026

Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)
Die EFI übergibt ihr Jahresgutachten 2026 an Bundeskanzler Friedrich Merz

„Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands 2026“
Ein Zwischenzeugnis für die Hightech-Agenda – und ein Plädoyer für sicherheitsrelevante Forschung

Am 11. Februar 2026 hat die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) der Bundesregierung ihr Jahresgutachten 2026 übergeben. Der Bericht liefert eine aktuellen Bewertung des deutschen Forschungs- und Innovationssystems, zieht ein gemischtes Zwischenfazit zur Hightech Agenda Deutschland (HTAD) und rückt die Bedeutung von Forschung und Innovation als Sicherheitsfaktor in den Fokus.

Was ist das EFI-Gutachten?

Die EFI ist ein unabhängiges, interdisziplinär zusammengesetztes Gremium, das die Bundesregierung wissenschaftlich zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit berät. Seit 2008 legt es jährlich ein umfassendes Gutachten vor, das die Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen Vergleich analysiert und Handlungsempfehlungen formuliert.

Vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen und der damit verbundenen strategischen und technologischen Herausforderungen widmet sich die EFI in ihrem neuen Gutachten unter anderem ausgewählten Aspekten sicherheitsrelevanter Forschung und Innovation. Sie sieht hier erheblich Nachholbedarf und betont, dass es nicht reiche, nur Mittel bereitzustellen, sondern wichtige strukturelle Anpassungen vorgenommen werden müssen.

Kreis der Akteure bei sicherheitsrelevanter Forschung und Innovation erweitern
Die EFI-Vorsitzende, Prof. Dr. Irene Bertschek vom ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung: „Neue technologische Lösungen zur Bewältigung sicherheitspolitischer Herausforderungen werden nicht notwendigerweise von den etablierten Akteuren hervorgebracht. Um neue wissenschaftliche und unternehmerische Potenziale zu erschließen, sollte der Kreis der Akteure, die sicherheitsrelevante Forschung und Innovation betreiben, erweitert werden.“ Und weiter: "

Sicherheitspolitische Strategiefähigkeit stärken
Die stellvertretende EFI-Vorsitzende, Prof. Dr. Carolin Häussler von der Universität Passau.
„In Deutschland sollten die sicherheitspolitisch relevante Forschung und Lehre sowie der damit verbundene Wissenstransfer gestärkt werden. Wir benötigen wissenschaftliche Leuchttürme, die sicherheitspolitisch relevante Themen bearbeiten und Wissen mit geeigneten Kanälen in die Politik transferieren.“ Die Kommission betont deren Bedeutung als Grundlage für informierte politische Entscheidungen in sich wandelnden Bedrohungslagen.

Ein gemischtes Zwischenzeugnis für die Hightech Agenda Deutschland

Die Hightech Agenda Deutschland (HTAD) ist das zentrale strategische Rahmenprogramm der Bundesregierung zur Stärkung von Schlüsseltechnologien und Innovationsstrukturen. Das EFI-Gutachten 2026 bewertet sie ambivalent:

Positiv:

Die HTAD setzt wichtige Signale, indem sie Schlüsseltechnologien priorisiert und eine klare politische Agenda formuliert. Diese Fokussierung kann dazu beitragen, staatliche Fördermittel gezielter einzusetzen und Akteure aus Forschung und Wirtschaft zu orientieren.

Kritikpunkte:

Nicht alle in der Agenda als Schlüsseltechnologien definierten Bereiche entsprechen tatsächlich einer starken technologischen Basis. Beispielsweise wird die Fusionstechnologie gemeinsam mit klimaneutraler Energieerzeugung genannt, obwohl ihre tatsächliche Reife und Bedeutung noch offen sind. Andere zentrale Felder wie Robotik oder Photonik seien bislang nicht ausreichend berücksichtigt worden.
Deutschland zeige im internationalen Vergleich mittlere Forschungsaktivitäten, aber relative Schwächen bei Patentanmeldungen, etwa in Künstlicher Intelligenz (KI) und Mikroelektronik.

Empfohlene Maßnahmen:

Die Expertenkommission fordert:

Innovationsfreundlichere Rahmenbedingungen,
einen Abbau bürokratischer Hürden und
mehr Unternehmenseinsatz, damit Forschungsergebnisse effizienter in Anwendung und Markt transferiert werden.

Forschung und Innovation als Sicherheitsfaktor

Ein besonderes Augenmerk des Jahresgutachtens liegt auf sicherheitsrelevanter Forschung – ein Thema, das angesichts geopolitischer Spannungen in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat.

Die EFI betont, dass Sicherheitspolitik und technologische Leistungsfähigkeit zunehmend miteinander verknüpft sind und dass Forschung nicht nur für wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch für die strategische Resilienz Deutschlands entscheidend ist.

Kernpunkte dieser Bewertung:

Struktureller Nachholbedarf: Deutschland müsse nicht nur Mittel bereitstellen, sondern strukturelle Rahmenbedingungen für sicherheitsrelevante Forschung und Innovation verbessern.
Stärkung von Forschungseinrichtungen: Es brauche „wissenschaftliche Leuchttürme“, die sicherheitsrelevante Themen bearbeiten und den Wissenstransfer zur Politik und strategischen Entscheidungsfindung stärken.
Erweiterung des Akteurskreises: Innovationen in sicherheitsrelevanten Bereichen entstünden nicht zwangsläufig in traditionellen Einrichtungen; daher sollten neue Akteure, einschließlich der Wirtschaft, in diese Forschungsfelder einbezogen werden.
Unternehmensinteresse: Eine EFI-Befragung zeigte, dass ein signifikanter Teil deutscher Unternehmen Interesse daran hat, Produkte oder Dienstleistungen im Sicherheits- und Verteidigungsbereich weiterzuentwickeln.

Diese Perspektive verdeutlicht, dass Forschung nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch und strategisch eine Schlüsselrolle spielt.

Weitere Themen im Gutachten 2026

Neben HTAD und Sicherheit beleuchtet das Gutachten auch andere Bereiche, die für das Innovationssystem relevant sind:

Wettbewerb und Innovation im Hochschulsystem: Deutschland müsse Anreize schaffen, den Forschungstransfer zu erleichtern und Berufungsverfahren international attraktiver zu gestalten.
Innovation im Mittelstand: Bürokratie und Fachkräftemangel werden als Innovationshemmnisse identifiziert, trotz des hohen Potenzials kleiner und mittlerer Unternehmen.
KI und europäische Zusammenarbeit: KI wird als zentrales Zukunftsfeld bewertet, wobei die EFI eine europäische Strategie und den Ausbau von Rechenkapazitäten empfiehlt.

Fazit

Das EFI-Gutachten 2026 zeichnet ein differenziertes Bild: Es würdigt die politischen Initiativen wie die Hightech Agenda Deutschland und stellt gleichzeitig kritische Fragen zur Umsetzung, Zielsetzung und realen technologischen Leistung. Besonders innovativ ist die Betonung von Forschung und Innovation als Sicherheitsfaktor, was zeigt, dass technologische Leistungsfähigkeit zunehmend auch als Teil der strategischen Handlungsfähigkeit Deutschlands verstanden wird.

Damit ist das Gutachten nicht nur ein wissenschaftliches Zwischenzeugnis, sondern ein politischer Impuls für die Weiterentwicklung von Forschungs- und Innovationspolitik in einem dynamischen internationalen Umfeld.

Hintergrund: EFI und ihre Funktion
Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) ist ein unabhängiges Gremium, das die deutsche Bundesregierung jährlich zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit berät. Die Gutachten bilden ein Gesamtbild des deutschen Innovationssystems ab und formulieren Handlungsempfehlungen für die Innovationspolitik.

Link zum Gutachten >>>

(Quelle: Universität Passau / Deutscher Hochschulverband)